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PSP: Wirtschaftsblatt: 30.09.2010: In der Hochkonjunktur nehmen Streiks zu

Beatrice Bösiger interviewte Bernd Brandl zum Thema. WirtschaftsBlatt: Kommt es heuer durch die Wirtschaftskrise zu mehr Streiks? Ereignisse wie der gestrige Generalstreik in Spanien würden das vermuten lassen.

Priv.Doz. Mag. Dr. Bernd BRANDL ist Vorstand des Instituts für Wirtschaftssoziologie der Universität Wien.

Bernd Brandl (ist Vorstand des Instituts für Wirtschaftssoziologie der Universität Wien)

Bernd Brandl: Bei Streiks sind sehr große Schwankungen zu beobachten. So gibt es Jahre, in denen fast gar nicht gestreikt wird. Im Zuge der Wirtschaftskrise kommt es in Europa jedoch wieder zu einem Aufflackern von Streiks. Aber grundsätzlich gehen in den meisten Ländern die Streiks zurück, und das schon seit mehreren Jahrzehnten.

Wird sich dieser Trend auch in Zukunft so fortsetzen?

Ob gestreikt wird, ist immer auch konjunkturabhängig. In der Hochkonjunktur wird zum Beispiel mehr gestreikt, als wenn es der Wirtschaft schlecht geht. Die Arbeitslosigkeit ist gering, demzufolge müssen sich Arbeitnehmer weniger vor dem Verlust ihrer Arbeit fürchten. In einer Depression zeigt sich genau ein umgekehrtes Bild. Springt die Konjunktur in Zukunft wieder mehr an, ist auch mit einer Zunahme an Streiks zu rechnen.

Werden wir in Zukunft noch andere Formen des Arbeitskampfs sehen?

Streik ist nur eine Form des Arbeitskampfes. Zunehmen werden sicher Formen des individuellen Arbeitskampfes, auch weil sich Arbeitnehmer immer schwerer organisieren lassen. Hier wäre beispielsweise eine innere Kündigung zu nennen, wo nur noch Dienst nach Vorschrift erledigt wird, oder beispielsweise der Arbeitgeber durch Sabotageakte geschädigt wird. Diese lassen sich empirisch aber nur schwer nachweisen.

Das Interview führte BEATRICE BÖSIGER

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