Nun ist das Studium, jedenfalls an staatlichen Hochschulen, wieder kostenlos. Doch die Frage bleibt: Wie sehr sind Studierende Kunden der Unis? Oder verkommen die Unis durch serviceverwöhnte Hörer zu Wissenssupermärkten? Der KURIER lud Andrea Koblmüller, Geschäftsführerin der PEF Privatuniversität, Christian Stummer, Vizedekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Uni Wien sowie Publizistik-Studentin Michaela Braune zur Diskussion.
KURIER: Sind Studierende Kunden ihrer Unis?
Michaela Braune: Mit "Kunde" wäre ich vorsichtig. Ein Kunde kann ja nicht mitreden, wie ein Produkt entsteht. Ich hätte an der Uni gern Mitspracherecht.
Andrea Koblmüller: Bei uns zahlen Studierende 20.000 bis 30.000 Euro für zwei Studienjahre. Wir sagen schon, dass sie Kunden sind, doch sie gestalten mit. Wir versuchen, mit ihnen auf gleicher Augenhöhe zu sein. Braune: Augenhöhe, genau das fehlt an der Uni. Vielleicht liegt es an der Masse.
Christian Stummer: Lediglich einige wenige Studienrichtungen sind überlaufen. Generell werden Studierende und Lehrende als Partner gesehen. Ich denke, Studierende haben Kundenstatus, wenn es um die Servicierung geht. Im Lehrbereich sind sie mehr als Kunden.
Benehmen sich Studierende wie Partner oder eher wie Konsumenten?
Stummer: Ich glaube nicht, dass jemand einfach nur berieselt werden will.
Koblmüller: Bei uns sehe ich die Studenten schon als Einbringer. Dass sie aktiver sind, liegt aber vielleicht auch daran, dass sie älter sind. Was nicht heißt, dass Bachelor-Studierende fauler sind. Stummer: Ich erlebe schon auch, dass man sich im Laufe des Studiums immer mehr einbringt. Braune: Aber gerade am Anfang des Studiums wird es einem nicht leicht gemacht. Wenn nicht einmal die Türen des Audimax zugehen, weil so viele Leute da sind, das demotiviert. Da wäre eine Privatuniversität schon attraktiv. Eine, die gute Betreuung bietet.
Koblmüller: Privatunis nehmen den öffentlichen auch nicht einen Studierenden weg. Wir sehen uns als Ergänzung. Wir wissen, dass wir in Sachen Forschung etwa noch lange nicht da sind, wo die WU ist. Stummer: Wenn die Hörsäle überfüllt sind, ist das natürlich ein Problem. Dagegen muss man etwas tun.
Was? Stummer: Die Uni Wien versucht es durch die Schaffung der Studieneingangsphase, in der Studierende einen Überblick über Studieninhalte bekommen. Danach bieten wir Bedingungen, die ein schnelles Studium ermöglichen. Braune: Wirklich? Gerade die ersten Semester, wo man in Vorlesungen oder Übungen nicht hineinkommt, sind ja fast ein Imageschaden. Ich denke, die Studierenden sind auch zu schlecht beraten und studieren einfach irgendetwas.
Koblmüller: Ich glaube aber nicht, dass die Beratung alleinige Verantwortung der Uni ist: Die Jugend ist beweglich und klug genug, selbst mehr Infos zu finden. Und zwar schon Jahre vor der Matura.
Alle wollen bessere Qualität in der Lehre. Würde Geld das Problem lösen?
Braune: Ich wäre schon bereit, zu zahlen. 100 Euro pro Semester müssten leistbar sein. Aber dann müsste es auch höhere Qualitätsstandards geben. Stummer: Sicher würden mehr Ressourcen die Bedingungen verbessern. Koblmüller: Vielleicht wäre es als Zahler leichter, Identität herzustellen. Im Sinne von: Ich zahle, daher nehme ich am System auch teil. 100 Euro sind aber sehr wenig.
Teresa Richter-Trummer
