Mittwoch, 18. März 2009

"DiePresse.com" vom 16.3.2009: Kinder beim Einkaufen: Manieren zahlen sich aus

Im Supermarkt belohnen Eltern höflich fragende Kinder mit Naschereien, zeigt eine Studie. Sie unterschätzen aber, wie stark die Kleinen ihre Kauf-Entscheidungen beeinflussen.

Beim Betteln um Kaugummi, Schokoriegel oder Spielzeug im Supermarkt lohnt sich für Kinder Höflichkeit gegenüber den Eltern. Das haben die Konsumentenforscher Claus Ebster und Udo Wagner vom Institut für Betriebswirtschaftslehre der Universität Wien in einer Studie herausgefunden. Die Wissenschafter haben auch Tipps parat, wie die Eltern den Nachwuchs vor den strategisch angebrachten Regalen mit den Verlockungen ein wenig abschirmen können.

Einfluss der Kinder unterschätzt

An die 200 Eltern wurden für die Untersuchung von den Experten unbemerkt beobachtet, während sie mit ihren Kindern in Supermärkten einkaufen gingen, und anschließend dazu interviewt. Generell werde der Einfluss von Kindern auf die Kaufentscheidungen im Supermarkt von Eltern enorm unterschätzt, stellten die Wissenschafter dabei fest: "Nur die Hälfte der Spontankäufe, die im Supermarkt von Kindern ausgelöst werden, ist den Eltern auch bewusst."

Kleines Gesichtsfeld, weniger Wünsche

Eltern können die Kaufanfragen ihres Kindes am besten gering halten, wenn das Kind im Einkaufswagen mit dem Gesicht zu den Eltern gewandt sitzt, denn dabei wird das Blickfeld der Kleinen eingeschränkt. "Wenn der Nachwuchs im Kinderwagen sitzt, sind die Kaufanfragen an die Eltern ebenso geringer", sagte Ebster.

Wenn die Eltern dann doch einem Kauf zustimmen, dann tun sie das nicht immer ganz uneigennützig. Sie geben den Kaufwünschen ihrer Kinder eher nach, wenn sich das Produkt im Geschäftslokal verwenden oder konsumieren lässt, wie etwa Spielzeug, Süßigkeiten und Obst. Denn damit sind Kinder dann während des Einkaufens beschäftigt.

Zorn zahlt sich nicht aus

Die Studie hält aber auch Ratschläge für die Kinder parat. Etwa: "Höflich zu fragen zahlt sich aus." Die Eltern waren deutlich häufiger bereit, auf die Kaufwünsche ihrer Kinder einzugehen, wenn diese klar und höflich mitgeteilt wurden; nicht so, wenn die Kinder zornig nach einem Produkt verlangten oder aber ihren Wunsch nur schwach und zögerlich ausdrückten", so die Experten.

Die beiden Forscher untersuchten auch, auf welche Produkte Kinder "anspringen". Insbesondere verlangen sie Produkte, die sich direkt auf ihrer Augenhöhe befinden. Dies sind zum Beispiel Süßigkeiten und Spielzeug, die vom Handel strategisch auf den unteren Regalen platziert werden. Die Untersuchung der Uni Wien wurde in der Fachzeitschrift "Journal of Retailing and Consumer Services" veröffentlicht.

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